02/01/2026 0 Kommentare
Seltsamer Besuch
Seltsamer Besuch
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Seltsamer Besuch
Kurzgefasst: Die Familie sitzt beim Abendessen. Es läutet an der Tür. Die Tochter öffnet, ruft aber nach dem Vater, denn da ist ein Fremder, der eingelassen werden will. Er sagt dem Vater, eigentlich wolle er mit der ganzen Familie reden. Er behauptet, es sei das Haus seines Vaters, also sein Eigentum, und er wolle das Haus jetzt besichtigen.
Schnell wird klar, dass der Unbekannte wohl psychisch krank sein muss und dass man am besten die Polizei holen sollte. Aber der Fremde stellt den Fuß in die Tür und kann jetzt nicht mehr hinausgedrängt werden.
Ein Fremder im Haus
So lassen sie ihn weitergehen in die Küche. Dort sieht er den üppig gedeckten Tisch und die wenigen Stühle und meint, da hätten wohl noch ein paar Gäste zusätzlich Platz. Bei seinem Blick in den Abfalleimer wird allen bewusst, dass sie wirklich viel Essbares wegwerfen. Im Wohnzimmer bittet der Fremde, ein bestimmtes Schrankfach zu öffnen. Es sei das Geheimfach des Vaters mit den ganzen Bankauszügen. Das hat die übrige Familie noch nie zu Gesicht bekommen, aber plötzlich ist das alles gar nicht mehr wichtig. Im Schlafzimmer entschuldigt sich die Mutter, es sei leider nicht aufgeräumt. Der Fremde stellt lakonisch fest, Schlafzimmer seien fast nie aufgeräumt.
Schließlich macht der Unbekannte ein Fenster auf und öffnet so den Horizont für die Nöte und Probleme in der Stadt draußen, wo die Hilfe der Familie nötig wäre. Dann verabschiedet er sich schnell wieder. Erstaunt stellt die Familie fest, dass sie sich alle an der Hand halten.
„Aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“
Soweit, sehr gestrafft, die Legende von Werner Reiser (reformierter Pfarrer, verstorben 2013) zum Text des Evangeliums: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ (Joh 1,11–12)
Wie, wenn der Fremde uns besuchen würde, sich bei uns umsehen wollte und uns Fragen stellen würde? Würden wir ihn einlassen? Hätte sein Besuch Konsequenzen?
Mit einem nachdenklichen Gruß,
Ihr Walter Heck SJ, Wien

Kommentare