Lass es nur zu!

Lass es nur zu!

Lass es nur zu!

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Lass es nur zu!

Ich bin, wie viele Engagierte rund um das Nürnberger Ukama-Zentrum für sozial-ökologische Transformation, gerade in einer schwierigen Phase. Politisch erleben wir Rückschritte in der ökologischen Gesetzgebung und eine Verhärtung der Migrationspolitik. Von den neuesten geopolitischen Ereignissen, die die allgemeine Unsicherheit erhöhen, ganz zu schweigen. Eine Reihe von sozial-ökologischen Initiativen löst sich auf oder ist am Kriseln. Viele sprechen von einem „Bewegungswinter“.

Das entspricht den natürlichen Zyklen sozialer Bewegungen und ist an sich nicht weiter verwunderlich. Abgesehen davon, dass natürlich im Hintergrund auch weiterhin viel Gutes wächst, stellt sich die Frage: Was steht in einer solchen Phase an?

Die Kraft der Demut

Da hilft mir ein Blick in das Sonntagsevangelium. Ich stelle mir Johannes den Täufer vor, wie er seine feurigen Predigten hält, im Bewusstsein, dass nach ihm der Messias kommen wird, um Gottes Gerechtigkeit endlich durchzusetzen. Und dann taucht Jesus auf und bremst erst einmal. Er will sich taufen lassen, demütig und ohne den Messias raushängen zu lassen. Das ist es, was Johannes irritiert. Und Jesus flüstert ihm zu: „Lass es nur zu! So können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“

Erst Einkehr, dann Umkehr

Die ganze Gerechtigkeit schließt die innere Dimension von Demut ein, einem vertieften Commitment und einem Dazulernen. Jesus will keine Umkehr predigen, ohne sich zuvor in die Einkehr begeben zu haben. Das wird im folgenden Absatz noch fortgeführt, in dem Jesus in die Wüste geht und eine Reihe von Versuchungen durchzustehen hat. Dann erst ist er bereit, öffentlich aufzutreten, zu predigen, zu heilen, in seine Nachfolge zu berufen.

Wie gerne hätte ich wieder lautstarke und glaubwürdige Gerechtigkeitsbewegungen, die in unserem Land spürbar etwas nach vorne bringen. Aber dieser Satz Jesu – laut Matthäus seine ersten Worte, die Worte seines Anfangs – hallen in mir nach: „Lass es nur zu!“ Und so denke ich, dass das eben gerade dran ist: Einkehr, Ausrichtung, Dazulernen. Mich für einen neuen und anderen Anfang vorbereiten. Mein Commitment für Gerechtigkeit schärfen, bevor ich mich neu dafür einsetzen kann. 

Ihr Fabian Moos SJ, Ukama-Zentrum, Nürnberg


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