16/01/2026 0 Kommentare
Die Versuchung des Hl. Antonius
Die Versuchung des Hl. Antonius
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Die Versuchung des Hl. Antonius
Haben Sie schonmal so wie ich erlebt, dass das Leben in der Nachfolge Jesu nicht immer einfach ist, sondern Irritation und Orientierungslosigkeit kennt?
Dann befinden wir uns in guter Gesellschaft, denn heute feiert die Kirche den heiligen Antonius. 250 n. Chr. als Sohn wohlhabender Eltern geboren, wurde er eines Tages im Gottesdienst von einem Wort des Evangeliums gepackt: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen.“ Begeistert von der Radikalität dieses Anrufes verkaufte Antonius alles, was er besaß, und zog sich in die Wüste zurück, um ein Leben in Gebet und innerer Einkehr zu führen.
Doch bald schon prasselten ominöse Gefühle, Gedanken und innere Bilder nur so auf ihn ein: Mutlosigkeit, Verwirrung, Scham, Schwermut, Trägheit und immer wieder die Angst (Vita Antonii, Kap. 36).
Antonius ahnte, dass der Teufel und die „bösen Geister“ hinter seiner Bedrängnis steckten. Drei seiner Tipps im Umgang mit diesen Kräften finde ich als Jesuit besonders hilfreich:
1. Sich in Gottvertrauen üben: „Habt keine Furcht, lasst euch nicht einschüchtern!“ (Kap. 35)
Immer wieder betont Antonius, dass wir keine Angst vor den „bösen Geistern“ haben müssen. Denn genau das ist ihr Ziel: Die Seele einschüchtern. Dagegen können wir uns im Vertrauen auf Gott üben: „Wir wollen überlegen und immer beherzigen, dass die Feinde uns nichts tun werden, da der Herr mit uns ist.“ (Kap. 42) Die bösen Geister machen sich laut Antonius mächtiger als sie sind. Tatsächlich ist es aber so, dass „ein Dämon nichts gegen einen Christen vermag“ (Kap. 42). Antonius empfiehlt daher Vertrauen, Gelassenheit und Freude.
2. Standhaft bleiben: „Ich aber betete und blieb, unbeweglich in meinem Sinne.“ (Kap. 39)
Wir können den schlechten Gedanken, die von den bösen Geistern angekurbelt werden, den Eintritt in die Seele möglichst versperren. Dann ruhig und geduldig darauf warten, dass sie vorbeigehen, und die Nähe Jesu im Gebet suchen: „Durch Gebete wurden sie verjagt im Namen des Herrn.“ (Kap. 39)
3. Impulse prüfen: „Wer bist du und woher kommst du?“ (Kap. 43)
Oft ist es in der Praxis nicht leicht zu sagen, welche Gedanken und Regungen von Gott kommen, welche gewissermaßen neutral sind und welche vom Bösen befeuert werden. Bei einem unklaren inneren Impuls empfiehlt Antonius daher innezuhalten, in sich hineinzuspüren und zu fragen: „Wer bist du und woher kommst du?“ (Kap. 43) Dem, was Unruhe und Furcht in der Seele verursacht, sollten wir nicht trauen. Das hingegen, was heilig ist und von Gott kommt, „erfolgt so ruhig und sanft, dass zugleich Freude und Fröhlichkeit und Mut in die Seele kommt“ (Kap. 35).
Ich wünsche uns von ganzem Herzen, immer wieder erleben zu dürfen, wie „Freude, Fröhlichkeit und Mut“, von denen Antonius spricht, „ruhig und sanft in die Seele kommen“. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Heilige Geist in uns wirkt und mit uns ist.
Ihr Konrad Glosemeyer SJ, Hamburg

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