18/09/2026 0 Kommentare
Weil Gott anders rechnet
Weil Gott anders rechnet
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Weil Gott anders rechnet
„Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?“
Die Frage stammt aus einem Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählt. Wir kennen es, haben uns gewundert und auch ein bisschen gemurrt – wie die Tagelöhner, die mehr als eine Stunde im Weinberg des Gutsherrn gearbeitet haben: Alle bekommen nur den vereinbarten Denar, einen Tageslohn.
Merkwürdig ist, dass der Gutsherr mehrmals persönlich auf den Marktplatz geht, die Tagelöhner anwirbt und den Lohn vereinbart.
Merkwürdig ist auch, dass er die Entlohnung am Abend durch seinen Verwalter machen lässt.
Merkwürdig ist schließlich, was beim Murren passiert: Da mischt sich plötzlich der Gutsherr ein. Er spricht, nicht der Verwalter. Und er spricht nur mit einem.
Er sagt: „Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Ist das Willkür? Arroganz eines Mächtigen?
Eine andere Währung
Dieses Gleichnis sagt etwas über das Himmelreich. Der Erzähler ist Jesus. Könnte er nicht der Verwalter sein, aus dem der Gutsherr spricht? Und der eine Denar? Steht er nicht für eine besondere Währung, in der man keinen Leistungslohn errechnen oder bezahlen kann? Weil sie eine Gnaden-Währung und ein Gnaden-Lohn ist? Ich meine, es handelt sich um die Himmelreich-Währung, in der ein Tageslohn zu einem Lebenslohn wird.
Beschenkt von Anfang an
Dieser Gedanke hat das Verständnis meiner Taufe beeinflusst. In ihr hat Gott, der Gutsherr, mir – durch meine Eltern – einen Denar geschenkt. Meine Eltern, Paten und viele andere haben mir erklärt, dass das der Lohn für meine Arbeit im Weinberg Gottes sei. Dabei handle es sich aber nicht um einen Weinberg, sondern um das Himmelreich, das Reich Gottes. Ich sei nämlich ein Bürger dieses Reiches und werde dafür belohnt, dass ich helfe, es in einem guten Zustand zu bewahren.
Ich lebe also nicht nur als Bürger eines Staates, sondern gehöre zu einer Gemeinschaft von Menschen, die „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ geeint sind. Mit diesem Denar habe ich Zukunft und muss nicht murren.
Ihr Wendelin Köster SJ, Frankfurt

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