19/06/2026 0 Kommentare
Unterscheiden lernen
Unterscheiden lernen
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Unterscheiden lernen
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie scheinbar widersprüchlich sich Jesus verhält? Mal sagt er „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, dann wieder „Wer nicht gegen euch ist, ist für euch“. Mal schickt er einen Geheilten nach Hause, dann wieder nimmt er ihn in seinen Jüngerkreis auf. Mal sagt er, er sei demütig und sanftmütig von Herzen, dann wieder „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen, und will, dass es brennt“.
Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Jesus konnte unterscheiden. Wenn er etwas sagte oder tat, dann bezog er sich auf konkrete Menschen in einer konkreten Situation. Er redete anders, wenn er zum ganzen Volk, zu den 70 oder 72 Jüngern, zum Zwölferkreis oder zu den dreien sprach, mit denen er am engsten vertraut war. Mal setzte er sich mit seinen Gegnern intensiv auseinander, dann wieder beendete er einen Streit, wenn er fruchtlos war.
Wie geht Unterscheiden?
Jesus selbst hat für gutes Unterscheiden ein hilfreiches Kriterium genannt: Es geht darum, sich selbst, seine Mitmenschen (heute ist zu ergänzen: und die Mit-Welt) und Gott von Herzen zu lieben. Sowohl in den feierlichen Momenten der großen Entscheidungen als auch in den alltäglichen Momenten der kleinen Entscheidungen geht es darum, vier Blickrichtungen der Aufmerksamkeit zu schulen:
- Sich selbst lieben: Ich versuche, immer besser meine Stärken und Schwächen kennenzulernen, meine Begabungen und Entwicklungsmöglichkeiten, und arbeite daran, immer mehr ein freier und liebender Mensch zu werden.
- Seine Mitmenschen lieben: Ich lasse mich berühren von den Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich werde immer aufmerksamer dafür, wie ich gute und heilsame Beziehungen und Kontakte gestalte, beruflich wie privat.
- Die Mit-Welt lieben: Ich sehe die Welt um mich herum als meine Aufgabe an, die zu schützen, zu entwickeln und zu erhalten ist.
- Gott lieben: Ich entwickle und entdecke gesicherte Zeiten des Gebets und der Meditation in der Weise, die mir mehr hilft, mich von der Gegenwart Gottes in meinem Leben anrühren zu lassen.
Wer in diese vier Richtungen mit Verstand und Gefühl immer aufmerksamer wird, bekommt mit der Zeit ein Gespür dafür, was im Sinne Jesu jeweils passt und was nicht oder noch nicht.
Bleiben Sie behütet!
Ihr Hermann Kügler SJ, München

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