Unser Raumschiff Erde

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Unser Raumschiff Erde

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Unser Raumschiff Erde

Im Rahmen meines letzten Ausbildungsabschnitts, dem Tertiat, absolviere ich ein soziales Praktikum in Vancouver, Kanada – in einem Heim für obdachlose Männer. Jeden Abend kommen um die 70 Männer aus den verschiedensten Ländern, um zu essen und zu übernachten. Die Vielfalt der Sprachen, Gesichter und Lebensgeschichten ist beeindruckend.

Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Team wider, das dieses Heim betreibt. Bevor wir die Schicht beginnen, wird immer ein kleines Gebet gesprochen – eine Erinnerung daran, die Gäste mit Würde und Respekt zu empfangen und sowohl sie als auch uns selbst als Kinder Gottes zu sehen, die gemeinsam unterwegs sind.

Ein Ort der Einheit

Dieses Unterwegssein erhielt eine neue Tiefe für mich durch ein Bild eines Artemis-II-Astronauten, der die Erde als Raumschiff beschreibt, das einsam und leuchtend durch das dunkle Universum fliegt. Ein kleiner, zerbrechlicher Ort der Einheit. Hier sind wir alle unterwegs – mit sehr unterschiedlichen Geschichten, aber auf demselben Schiff. Wir sind zugleich Individuen und Gemeinschaftswesen. Wir brauchen einander und dürfen uns doch immer wieder neu füreinander entscheiden.

Für mich aber ist das tiefste, verbindende Element nicht die Gemeinschaft, sondern Gott. Ich glaube, in der tiefsten Tiefe und der höchsten Höhe sind wir durch ihn verbunden, der durch den Heiligen Geist in uns allen wirkt. Ihn in allen Geschöpfen zu suchen und das Gute in anderen Kulturen zu entdecken, gehört daher zu unserer Berufung als Menschen. Es gilt, dem Verschiedenen mit Würde zu begegnen. Nicht alles muss man gutheißen, doch dürfen wir glauben, dass selbst hinter den dunkelsten Dingen Gott in der Tiefe die Dinge zusammenhält.

Verbunden mit Gott und den Menschen

Wie ein gelingendes Miteinander in dieser Vielfalt möglich ist, bleibt eine Herausforderung. Aber der Glaube und das Bewusstsein, dass wir durch Gott als Quelle des Lebens und das gemeinsame Unterwegssein auf dem „Raumschiff Erde“ tief verbunden sind, kann uns dabei Orientierung geben.

Denn die Quelle und die Erde sind die Erhalterinnen und Ernährerinnen aller Dinge. Je näher wir dem weiten Geist Gottes und der tragenden Erde sind, desto verständnisvoller, liebevoller und klarer werden wir – uns selbst und anderen gegenüber. Wir werden einzigartiger und fähiger, Leid auszuhalten, weil Gott es mit uns in der Tiefe aushält.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese tiefe Verbundenheit mit Gott und den Menschen spüren und dass wir die Freiheit und Weite, die daraus entstehen, nutzen, um in unserem Geist und im konkreten Umfeld immer wieder Brücken zu bauen, wo Hindernisse entstehen.

Ihr Martin Föhn SJ, Vancouver

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