20/04/2026 0 Kommentare
Ukrainisch-orthodoxe Gottesdienste in St. Franziskus
Ukrainisch-orthodoxe Gottesdienste in St. Franziskus
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Ukrainisch-orthodoxe Gottesdienste in St. Franziskus
Mit leichter Verzögerung aber umso großer Vorfreude bereitet sich die Berliner Pfarrei der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche darauf vor, ab Juni 2026 Gottesdienste in unserer Kirche St. Franziskus zu feiern. Geplant ist ein wöchentlicher Sonntagsgottesdienst um 11.00 Uhr. Im Anschluss werden die Gemeinderäume bis etwa 16 Uhr für Begegnung, Gemeindekaffee und Religionsunterricht genutzt. Zunächst ist diese Regelung auf ein Jahr befristet.
Wie kam es dazu?
Vorausgegangen war im vergangenen Jahr der Wunsch der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Berlin/Brandenburg, in Spandau einen geeigneten Kirchenraum mitnutzen zu dürfen. In Gesprächen zeigte sich, dass unser Standort St. Franziskus aufgrund seiner Lage und Größe dafür gut geeignet ist. Der Gemeinderat hat das Anliegen in zwei Sitzungen (zuletzt im März) ausführlich beraten. Bereits im Advent fand ein gemeinsames ökumenisches Friedensgebet in St. Franziskus statt, bei dem sich Christen der verschiedenen Konfessionen begegneten und miteinander ins Gespräch kamen – ein erster, ermutigender Schritt.
Zu Beginn des Jahres führten Andreas Komischke, Johannes Buskühl und Pfarrer David Hassenforder gemeinsam mit Vertretern der ukrainisch-orthodoxen Gemeinde eine Begehung in St. Franziskus durch. Dabei konnten zuvor aus St. Markus und St. Franziskus geäußerte Fragen und Bedenken geklärt werden. In Abstimmung mit dem Referenten des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg wurde eine schriftliche Vereinbarung erarbeitet. Andreas Komischke wird künftig als Ansprechpartner zwischen beiden Gemeinden fungieren, damit eventuelle Fragen oder Konflikte zeitnah geklärt werden können. Allen Beteiligten ist klar: es wird sicher an der ein oder anderen Stelle mal zu Missverständnissen oder Problemen kommen. Ebenso klar ist uns allerdings auch, für alles wird sich eine Lösung finden.
Die rechtlichen Grundlagen regelt ein Nutzungsvertrag auf Empfehlung des Erzbistums Berlin. Ein ähnliches Vertragsmodell verwenden wir bereits bei der Vermietung unserer Räume in St. Maximilian Kolbe an die koptisch-orthodoxe Gemeinde. Nach erneuter Beratung hat auch der Kirchenvorstand dem Vertrag und der Vereinbarung zugestimmt. In regelmäßigen Abständen sollen sich die Ansprechpartner beider Gemeinden austauschen. Wenn etwa unsere Gemeinde die Räume an einem Sonntag auch nach unserer 9.00-Uhr-Messe noch benötigt, kann dies mit ausreichendem Vorlauf unkompliziert abgestimmt werden.
Wer ist die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche?
Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche hat am 27. Mai 2022 ihre „völlige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit“ von Moskau erklärt. Sie distanzierte sich ausdrücklich von der Position des Moskauer Patriarchen Kyrill I., verurteilte den russischen Überfall auf die Ukraine vom 24. Februar 2022 und appellierte an Russland und die Ukraine, den Verhandlungsprozess fortzusetzen. Viele ihrer Gläubigen sind durch Krieg und Flucht schwer belastet. Dass sie nun auch in Spandau eine geistliche Heimat finden, ist ein Zeichen konkreter Solidarität.
Ökumenische Gastfreundschaft
Im Bereich des Erzbistums Berlin feiert die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche bereits Gottesdienste in katholischen Kirchen in Brandenburg/Havel, Lübars und St. Michael (Mitte). Mit vielen, kleineren christlichen Gemeinschaften existieren in Berlin solche gemeinsamen Nutzungen von Kirchenräumen. Ob es bei uns die Kopten in St. Maximilian Kolbe oder nun die Ukrainer in St. Franziskus sind - unsere Pfarrei reiht sich in eine gewachsene Praxis ökumenischer Gastfreundschaft ein.
Diese Gastfreundschaft ist mehr als eine pragmatische Lösung. Sie ist Ausdruck unserer gemeinsamen Taufe und unseres Glaubens an den einen Herrn. Zugleich dürfen wir auf neue Impulse hoffen: Die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde hat bereits zugesagt, sich am ökumenischen Pfingstmontagsgottesdienst zu beteiligen. Weitere gemeinsame Gottesdienste und Aktionen sind angedacht.
Nicht zuletzt bedeutet die regelmäßige Mitnutzung von St. Franziskus auch eine Belebung dieses Standorts. Wo gebetet, gesungen und der christliche Glauben gelebt wird, wächst Gemeinschaft – über konfessionelle Grenzen hinweg. Möge dieses Miteinander zu einem sichtbaren Zeichen der Hoffnung werden in einer Zeit, die allzu sehr von Krieg und Spaltung geprägt ist.
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