Trage den, mit dem Du gehst

Trage den, mit dem Du gehst

Trage den, mit dem Du gehst

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Trage den, mit dem Du gehst

Vor einigen Jahren gab es zum Weltmissions-Sonntag ein Plakat, auf dem ein kleines Mädchen aus Lateinamerika zu sehen war. Es trug seinen jüngeren Bruder auf dem Rücken. Jemand sagte zu dem Mädchen: „Da trägst du aber eine schwere Last!“ – Und die Antwort des Mädchens war: „Wieso? Es ist doch mein Bruder!“

Wir haben uns sehr daran gewöhnt, nichts mehr tragen zu müssen. Wir nehmen lieber einen Koffer mit Rollen. Und wenn wir wandern, wird das Gepäck im Begleitfahrzeug transportiert. Doch merken wir immer wieder: Im übertragenen Sinn hat jeder sein Päckchen zu tragen. Dazu kommt, dass es oft nicht nur das eigene „Päckchen“ gibt, sondern auch ein fremdes, das mitgetragen werden muss. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die mittragen können. Sie sind eine Wohltat, ein Segen: die in Liebe etwas oder jemanden ertragen, mittragen.

Gottes Lamm trägt die Sünde der Welt

In der Bibel ist das Tragen ein großes Thema. Es ist die Rolle des Mose, des David, der Propheten, des Gottesknechts, des Messias: Sie alle „tragen die Sünden der Vielen“. „Seht, das Lamm Gottes, das trägt die Sünde der Welt.“ Manchmal wird auch anders übersetzt: „das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“. Das klingt so leicht, aber verschleiert, dass „Wegnehmen“ nur durch „Tragen“ möglich ist.

Ertragen – in Liebe

Gott sei Dank ist Christus nicht der Versuchung erlegen, vom Kreuz herabzusteigen (wozu ihn die Spötter aufgefordert haben). Sonst wäre es nichts geworden mit der Erlösung! Er wusste, für wen er das alles erträgt und hat sich nicht distanziert, sondern ausgehalten bis zum Ende. In Liebe, nicht wütend oder zähneknirschend. Das hätte nicht geholfen.

Und so wissen auch wir, wie wir an der Erlösung anderer mitwirken können. Paulus ermutigt uns: „Einer trage des anderen Last.“ (Gal 6,2) Das heißt: tragen, ertragen, mittragen die Last, die der andere ist, weil er so ist, wie er ist. Das ist unser Bei-„trag“ zur Erlösung, wenn wir es durchstehen, nicht ärgerlich und unwillig, sondern in Liebe und Vertrauen.

Ihr Walter Heck SJ, Wien

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