Sich hin und wieder gehen lassen

Sich hin und wieder gehen lassen

Sich hin und wieder gehen lassen

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Sich hin und wieder gehen lassen

„Wer in eine schwere Verantwortung gestellt ist, der darf sich zum Ausgleich hin und wieder schon mal so richtig gehen lassen“, sagte mein Freund G. Weil er einige Zeit vor der eigenen „schweren Verantwortung“ Schüler an einer unserer Schulen war, habe ich ihn gefragt, ob er das dort gelernt habe. Das ließ er aber im Unklaren.

Ausspannen: Keine neue Erfindung

Ich gestehe, dass mir die Sichtweise meines Freundes G. recht sympathisch ist. Und Beispiele dafür gibt es in der Kirche schon seit der Antike. In den Lehrgeschichten der Wüstenväter aus dem 3. und 4. Jahrhundert wird berichtet: Als ein Jäger Abbas Antonius dabei beobachtet, wie er mit den anderen Mönchen Scherze macht, ist er schockiert. Antonius antwortet: „Spann deinen Bogen und schieß.“

Als der Jäger das mehrmals tut, sagt Antonius: „Spann den Bogen noch weiter.“ Der Jäger antwortet: „Wenn ich den Bogen zu stark spanne, bricht er.“ Antonius erklärt: „So ist es auch mit der Arbeit Gottes. Wenn wir die Brüder über das Maß hinaus belasten, brechen sie.“ Dies zeigt, dass die Wüstenväter die Gefahr des „Überspannens“ durchaus kannten und Ausgleich und Erholung forderten.

Auf das rechte Maß kommt es an

Nun kann es sicher nicht darum gehen, von einem Extrem ins andere zu fallen, also statt eigenen Tuns die anderen arbeiten und sich selbst gehen zu lassen. Die Tugend liegt wie so oft in der Mitte zwischen den Extremen.

Dennoch: Erholung und Entspannung gehört zum Leben aus einer Glaubensorientierung genauso dazu wie Engagement und Entschlossenheit. Lange vor meinem Freund G. wussten das schon die alten Wüstenväter. Probieren Sie doch mal aus, wie es für Sie am besten passt und sich anfühlt, wenn Sie sich mal zum Ausgleich „so richtig gehen lassen“. Und bleiben Sie behütet!

Ihr Hermann Kügler SJ, München

© Privat

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