Menschliche Freiheit

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# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Menschliche Freiheit

Haben Sie bei der weltweit wachsenden Verbreitung autoritärer Regime auch schon das Bedürfnis verspürt, Faschismus in all seinen vielfältigen Erscheinungsweisen und Definitionsversuchen besser zu verstehen? Falls nicht, tun Sie es! Sie werden kaum zu einem abschließenden Ergebnis kommen, aber die Beschäftigung mit politischen Methoden der kollektiven Entmündigung wird Ihr Bewusstsein für den Wert der menschlichen Freiheit schärfen.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass totalitäre Systeme selten (allenfalls bei Militärputschen) von heute auf morgen entstanden. Meistens wußten charismatische Persönlichkeiten die Schwächen demokratischer Strukturen auszunutzen und kollektiven Unmut, Frustration und Verängstigung in Aggressionen gegen Gruppen zu bündeln, die dann als Sündenböcke die Projektionsfläche des äußeren oder inneren Feindes bildeten. Die Freiheit im Denken, Sprechen und Handeln geht so oft nur schleichend verloren, doch sie geht schließlich auch für die vom System scheinbar Privilegierten verloren. Denn auch sie sind zunehmend im Netz der gegenseitigen Bespitzelung und Verleumdung gefangen.

Wer am kommenden Sonntag in einen katholischen Gottesdienst geht, wird sehr wahrscheinlich diese höchst problematischen Sätze Jesu im Matthäusevangelium hören:

„Wer meinen Weg gehen will, sage sich von sich selbst los und nehme das eigene Kreuz auf sich und folge mir nach. Wer das eigene Leben retten will, wird es verlieren. Wer das eigene Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.‟ (Mt 16,24-25, Bibel in gerechter Sprache)

Könnte nicht irgendeine starke Führerfigur auch heute gerade mit solchen Worten blinden Glauben und absoluten Gehorsam einfordern? Was unterscheidet Jesus von Volksverführer*innen? Ich nenne hier ein paar Punkte:

  • Jesus predigte keine Gewalt gegen andere.

  • Er verachtete nicht die Schwachen (was ein wesentliches Element der faschistischen Methode ist), im Gegenteil, er verkündete das Reich Gottes für alle, zuerst für die Letzten.

  • Er ging selber den Weg des Leidens, während Demagogen das nur von ihren Anhängern verlangen.

  • Er pries weder Heldentum noch Opfer, sondern übte Barmherzigkeit.

  • Sie finden sicher noch zahlreiche andere Unterschiede ...

Die zutiefst befreiende Dynamik des Evangeliums erkennen wir, wenn wir auf die schrittweise Pädagogik Jesu achten: Jesus spricht von der Selbstverleugnung nicht zu Kindern, Unterdrückten, Kranken oder schwer Traumatisierten, die zuerst einmal erfahren und (wieder) lernen müssen, „Ich‟ zu sagen. Bevor man sich selbst verleugnen kann, muss man sich selbst gefunden haben. Seine Schülerinnen und Schüler haben die ermächtigende Liebe Gottes bereits erfahren und leben schon mit dem Wunsch, sich für das Evangelium einzusetzen.

Für sie ist das Wort Jesu bestimmt, welches sie noch einen Schritt weiter in eine Freiheit führen soll. In eine Freiheit, die nichts mit der Beliebigkeit in der modernen Konsumgesellschaft zu tun hat, sondern die sich auf den Wunsch gründet, auf die erfahrene Liebe, Befreiung und Barmherzigkeit von ganzem Herzen zu antworten.

Ihr Christoph Albrecht, Zürich

© Privat

PS. Lesetipps zu heutigen Gefahren des Faschismus: 

      (Denkzeiten - Philosophie als Lebenskunst)

      (PDF von FEX - Fachstelle Extremismusdistanzierung)

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