Ja, aber...

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Ja, aber...

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Ja, aber...

Bei einem Gespräch im Freundeskreis fühlte ich mich unbehaglich. Zunächst konnte ich nicht sagen, was in dieser Atmosphäre die Gespräche blockierte. Dann kam es: Wann immer etwas Gutes ausgesprochen wurde, kam ein „Ja, aber“. Ständig wurde auf das berühmte Haar in der Suppe hingewiesen.

Egal, wie gut es uns geht, welches Glück uns widerfährt, welchen Erfolg wir erzielt haben: Es scheint blauäugig zu sein, nicht ausdrücklich auf die Kehrseite hinzuweisen. Die Urlaubsreise lockt. Ja, aber mit dem Hotel könnte es vielleicht nicht passen.

Das Gute verkosten

Warum fällt es so schwer, den Wein gut schmecken zu können, ohne zuvor Wasser einzugießen? Negative Gedanken bestätigen sich erschreckend schnell und führen zu weiteren negativen Erfahrungen, während gute Gedanken schnell zur Seite gedrängt sind. Wo führt mich die Widerrede hin? Etwas kaputtzureden ist leicht – sicher leichter, als etwas aufzubauen. Doch so, wie sich Negatives addiert, so addiert sich auch das Positive.

Die Realität ist weder ganz schön noch ist sie ganz schlecht. Sie enthält eben beides. Statt dem typischen „aber“ wäre richtig ausgedrückt „und“, denn zu jeder Aussage kann eine weitere Sichtweise hinzugefügt werden.

Die Geister unterscheiden

Wenn uns jemand sagt „Erforsche dein Gewissen!“, so verstehen wir sofort: „Da ist etwas falsch gelaufen. Gehe deinen Fehlern auf die Spur.“ Wenn Ignatius jedoch beim Rückblick auf den vergangenen Tag von der Gewissenserforschung spricht, meint er als ersten Schritt: „Erkenne, was du heute bekommen hast, was dir gegeben ist und wofür du danken kannst.“ Wer sich als beschenkt und bereichert wahrnimmt, ist danach berechtigt, dem nachzuspüren, was an diesem Tag schiefgelaufen ist. So können wir betend die gesamte Realität des Tages „in die Hand Gottes empfehlen“.

Die Frohbotschaft

Im Evangelium Jesu finden wir auch ernste Worte und Mahnungen, die zur Umkehr und Korrektur unseres Verhaltens und unserer Haltungen ermutigen. Aber zuvor und vor allem ist seine Botschaft ein „Evangelium“ – eine Frohbotschaft, die uns zu mehr Leben und Freude verkündet wird. Nicht „Ja, aber“, sondern „Ja, Amen – und auch ernsthaft Mahnendes“.

Wie hören Sie sich bei Gesprächen auf Aussagen anderer eingehen? „Ja, das finde ich gut. Und ergänzend möchte ich hinzufügen …“ Damit wird ein Gespräch nicht blockiert, sondern weitergeführt.

Viel Freude an bereichernden Gesprächen wünscht Ihnen

Ihr Reinhold Ettel SJ, Wien

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