Gottes Ebenbild verblasst nicht

Gottes Ebenbild verblasst nicht

Gottes Ebenbild verblasst nicht

# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Gottes Ebenbild verblasst nicht

Die zu Ende gehende „Woche der Demenz“ (20. bis 27. September) wollte auf die Situation der Demenzkranken sowie ihrer Angehörigen aufmerksam machen. In unterschiedlicher Ausprägung leiden in Deutschland 1,8 Millionen Menschen an dieser Erkrankung. Sie zu betreuen, stellt eine enorme Herausforderung dar und erfordert einen anspruchsvollen Lernprozess. Wer erschrickt zunächst nicht, wenn er bemerkt, dass ein Familienmitglied oder Freund nicht mehr über die Worte verfügt, um angefangene Sätze zu beenden, oder nur noch in Begleitung den Weg nach Hause findet?

Unsere anfängliche Ratlosigkeit sollte uns aber nicht dazu verleiten, ein Leben mit Demenz als unwert zu betrachten. In den letzten 40 Jahren wurden Erkenntnisse gesammelt, die zeigen, dass sich selbst bei Menschen mit der schlimmsten Form von Demenz, der Alzheimer-Krankheit, die Lebensqualität so fördern lässt, dass sie zufrieden leben können.

Gelebte Nächstenliebe

Eine Grundregel lautet: „Informieren Sie sich und lassen Sie sich beraten.“ Das Online-Portal „Wegweiser Demenz“, regionale Hilfenetzwerke, Demenz-Telefone und Beratungsstellen informieren über Leistungen der Pflegeversicherung, Pflegedienste sowie über die Krankheit selbst. Da finden sich Hinweise, was Menschen mit Demenz gerade im Frühstadium noch alles unternehmen können: demenzgerechte Freizeitveranstaltungen, Lesestunden, gemeinsames Kochen, Basteln und anderes mehr. Eine Betroffene: „Ich bin zwar vergesslich, aber nicht doof.“

Schreitet die Erkrankung fort, sind Hinweise wichtig, wie man Kranke auf Augenhöhe (nicht wie Kinder) in einfacher Sprache anspricht, ihre Bedürfnisse erkennt, einen festen Tagesablauf organisiert und aggressive Verhaltensweisen verstehen, bewältigen oder vermeiden kann. Wie man die Wohnung sturzsicher gestaltet und professionelle Hilfe und Entlastungsmöglichkeiten in Anspruch nimmt. Aber man kann auch erfahren, worüber sich Betroffene freuen: über Lieblingsspeisen, einfache Spiele, Lieder und Kontakte mit Menschen, die sie mögen.

Für immer Gottes Ebenbild

Angehörige sollten eine falsche Scham überwinden und wir alle eine demenzfreundliche Grundeinstellung entwickeln, die gesellschaftliche Teilhabe fördert. Denn Demenzkranke sind trotz ihrer Ausfälle im Erinnern, Sprechen und Sich-Orientieren im vollen Sinn Mensch: Sie wissen um sich selbst und können uns Zuneigung zeigen. Wert und Würde eines Menschen hängen nicht vom Vollbesitz seiner kognitiven Fähigkeiten ab.

Was ihr dem Geringsten getan habt …

Vorbilder für Demenzfreundlichkeit sind für mich die vielen Angehörigen, die ihre Kranken zu Hause liebevoll pflegen oder im Heim besuchen. Ihnen könnte Jesus einmal zurufen: „Ich wurde dement und ihr habt mich weiterhin als Mensch und Kind Gottes geachtet.“

Ihr Bernhard Grom SJ, München

© Privat

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