05/04/2026 0 Kommentare
Es geht aufwärts
Es geht aufwärts
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Es geht aufwärts
In einem Altenheim sprach ich öfter mit einer Frau, die schon sehr gebrechlich war. Als ich sie einmal fragte, wie es ihr gehe, zeigte sie mit der Hand nach oben, lächelte fröhlich-verschmitzt und sagte: „Es geht aufwärts.“ Es war wohl die Geste und Antwort eines österlichen Menschen, der an Jesus Christus glaubt. Mit ihm ging es in der Auferstehung endgültig „aufwärts“. Er wird uns zu sich ziehen, wenn er erhöht ist – damit wir dort sind, wo er ist (Joh 14,3): im unzerstörbaren Leben Gottes.
Aufwärts trotz Abwärts
Wenn wir diesen Osterglauben teilen, kann es mit uns aufwärts gehen, selbst wenn es mit den körperlichen Kräften und Aktivitäten abwärts geht. Dann erleben wir Abwärtsspiralen und Schicksalsschläge wie der Apostel Paulus, der von sich bekannte: „Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird von Tag zu Tag erneuert. Denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare (die Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus) ist ewig“ (2 Kor 4,16–18).
Das ist Osterhoffnung pur: Sie leugnet nicht, was uns aufreibt und niederdrückt, trotzt aber der Todesfurcht und allem, was uns sonst nach unten ziehen will, mit der Zuversicht: Zuletzt geht es aufwärts.
Was uns Gott näher bringt
Diese Hoffnung lenkt unseren Blick nach oben bzw. nach vorn, auf das Ewige. Ewigkeit aber ist kein Schlaraffenland-Himmel, sondern „die souveräne, ewig dauernde Liebe Gottes“ (Karl Barth). Nur sie ist unvergänglich.
Damit kann der Osterglaube unseren Sinn für die wahren, bleibenden Werte schärfen und uns ermutigen: Weil Gott Liebe ist, haben letztlich nicht Besitzgier, Geltungsdrang, Machtstreben, Lüge oder Hass Zukunft und Wert, sondern unsere kleinen und großen Bemühungen um mehr Liebe in unserer Welt. Sie bringen uns dem ewigen Gott näher.
„Selig, die …“
Der Ehrliche ist letztlich nicht der Dumme, sondern der Gewinner. Der Versöhnende, Friedliebende nicht der Betrogene, sondern der Erfolgreiche. Der Hilfsbereite nicht der Geschädigte, sondern der Sieger. Sie, nicht die anderen, hat Jesus seliggepriesen.
Damit kann uns Ostern zu einer Gemeinschaft von Hoffnungsträgern machen, die sich gegenseitig bestärken, wenn sie sich für Flüchtlinge und andere Notleidende einsetzen. Wenn sie sich für bessere Lebenschancen von Menschen in armen Ländern engagieren. Wenn sie für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden kämpfen und kranke, behinderte oder alte Mitbürger nicht als Last und Verlierer betrachten. Denn sie haben die gleiche Würde und Zukunft wie wir alle.
Ich wünsche Ihnen ein hoffnungsvolles Osterfest.
Ihr Bernhard Grom SJ, München

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