Aus der Erinnerung Verantwortung übernehmen

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Aus der Erinnerung Verantwortung übernehmen

Im September 2026 feiert unsere Kirche St. Maximilian Kolbe ihr 50. Kirchweihjubiläum. Den Auftakt des Jubiläumsprogramms bildet das Patronatsfest zu Ehren des heiligen Maximilian Kolbe am Sonntag, 16. August 2026. Aus diesem Anlass dürfen wir einen besonderen Gast begrüßen: Pfarrer Dr. Manfred Deselaers wird mit uns um 11.00 Uhr die Heilige Messe feiern und anschließend mit der Gemeinde ins Gespräch kommen.

Pfarrer Dr. Manfred Deselaers gehört zu den profiliertesten deutschen Stimmen der Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Auschwitz. Der Priester des Bistums Aachen lebt seit 1990 in der polnischen Stadt Oświęcim. Seit vielen Jahren arbeitet er im dortigen katholischen Zentrum für Dialog und Gebet, das sich in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau befindet. Er begleitet Besuchergruppen, gestaltet Besinnungstage und Begegnungen und hilft Menschen dabei, die erschütternden Eindrücke eines Besuches in Auschwitz einzuordnen. Sein besonderes Engagement gilt dem christlich-jüdischen Dialog, der deutsch-polnischen Versöhnung und der Verständigung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren als Guide an der Gedenkstätte tätig und gehört dem Internationalen Auschwitz-Rat an.

Der Ort Auschwitz ist für Pfarrer Deselaers nicht nur ein Ort des Gedenkens. Er stellt auch die bleibende Frage, wie zerstörte Beziehungen geheilt und aus Erinnerung Frieden und Versöhnung erwachsen können. Gerade darin liegt eine enge Verbindung zum Patron unserer Kirche. Der polnische Franziskanerpater Maximilian Kolbe wurde 1941 in Auschwitz inhaftiert. Als zehn Gefangene als Vergeltung für die Flucht eines Häftlings zum Tod im Hungerbunker bestimmt wurden, bot er sein Leben für den Familienvater Franciszek Gajowniczek an. Am 14. August 1941 wurde er schließlich durch eine Phenolspritze getötet. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1982 als Märtyrer heilig. Inmitten eines Systems, das Menschen ihrer Würde berauben und jede Mitmenschlichkeit auslöschen wollte, setzte Maximilian Kolbe ein unübersehbares Zeichen der Liebe und der Hoffnung.

Seinen Namen trägt auch das Maximilian-Kolbe-Werk, das seit 1973 Überlebende nationalsozialistischer Konzentrationslager und Ghettos unterstützt. Unter dem Leitwort „Helfen – Begegnen – Erinnern“ verbindet es konkrete Hilfe für die heute hochbetagten Überlebenden mit persönlichen Begegnungen, Zeitzeugengesprächen und einer Erinnerungsarbeit, die besonders junge Menschen erreichen möchte. Zugleich leistet das Werk einen wichtigen Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschland, Polen und den Ländern Mittel- und Osteuropas.

Im Anschluss an die Heilige Messe erwartet uns jedoch kein klassischer Vortrag. Pfarrer Deselaers möchte von seinen persönlichen Erfahrungen erzählen und mit uns ins Gespräch kommen. Dabei soll es nicht allein um die Vergangenheit gehen. Gemeinsam wollen wir danach fragen, was die Erinnerung an Auschwitz und das Zeugnis des heiligen Maximilian Kolbe für unsere Gegenwart bedeuten: angesichts des Krieges in Europa, eines neu erstarkenden Antisemitismus, zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und nationalistischer Abgrenzung. Wie bewahren wir die Würde jedes Menschen? Wie können Verständigung und Versöhnung gelingen? Und welchen Beitrag können Christen zu einem friedlichen und menschlichen Deutschland und Europa leisten?

Das Patronatsfest eröffnet damit unser Kirchweihjubiläum auf besondere Weise. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mitzufeiern, zuzuhören, eigene Fragen einzubringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

50. Kirchweihjubiläum von St. Maximilian Kolbe

Was 1976 mit der Weihe der Kirche an der Maulbeerallee begann, ist bis heute ein Ort des Glaubens und der Gemeinschaft. Die Geschichte der Gemeinde reicht sogar noch weiter zurück: Bereits in den 1960er Jahren versammelten sich Katholiken im neu entstehenden Wohngebiet Heerstraße Nord zu Gottesdiensten, zunächst im August-Hermann-Francke-Heim und später in der Ladenkirche. Aus diesen bescheidenen Anfängen wuchs eine Gemeinde, die bis heute vom Geist ihres Patrons geprägt ist: offen für Menschen in ihren Nöten und Sorgen, engagiert im Glauben und bereit, Verantwortung für andere zu übernehmen.

Zum 50. Kirchweihjubiläum laden wir herzlich zu einer Reihe besonderer Veranstaltungen ein. Konzerte, Begegnungen, ein Festgottesdienst und weitere Programmpunkte bieten Gelegenheit, dankbar auf die vergangenen Jahrzehnte zurückzublicken und zugleich mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen.

Das vollständige Jubiläumsprogramm finden Sie auf unserer Jubiläumsseite, die laufend aktualisiert wird:

st-johanes-spandau.de/50-jahre-kolbe


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