17/10/2026 0 Kommentare
Auf wessen Seite steht Gott?
Auf wessen Seite steht Gott?
# geistliche Impulse/Extrablatt MH

Auf wessen Seite steht Gott?
Angesichts der Ungleichheiten dieser Welt ist es sinnvoll zu fragen: „Ist Gott gerecht? Und wenn ja, für wen?“ Viele Antworten sind hier denkbar. Die Formulierung legt nahe, dass es sich um eine empirische Frage handelt. Dann müsste man eruieren, wie es um unsere Erde steht. Vermutlich müssten wir ehrlich konstatieren, dass es viele Ungerechtigkeiten gibt.
Wo ist Gott?
Hier stellt sich die Theodizeefrage: Kann es angesichts der Ungerechtigkeiten einen allmächtigen und liebenden Gott geben? Vielleicht muss diese Frage nicht unbedingt zum Atheismus führen. Sie könnte aber verlangen, dass wir die Frage nach Gott ausklammern.
Auch aus christlicher Sicht ist unsere Frage nach der Gerechtigkeit Gottes sehr bedeutsam. Der Glaube lässt die Wirklichkeit ehrlich sehen. Er blendet die Ungerechtigkeit nicht aus, im Gegenteil. Jesus lehrte: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit!“ (Mt 5,6) Der Glaube ist also kein Beruhigungsmittel, sondern er befreit. Denn die Gerechtigkeit Gottes ist auch ein Inhalt des Glaubens.
Der Glaube vertröstet nicht
Christinnen und Christen glauben, dass Gott gerecht ist und am Ende Gerechtigkeit herstellen wird (vgl. Apg 17,31). Das könnte dem christlichen Engagement für Gerechtigkeit Kraft und Ruhe geben. An Glaubenszeugen wie Dietrich Bonhoeffer zeigte sich, dass das gläubige Lesen und Beten mit der Heiligen Schrift auch unter schwierigen Umständen immer neu Kraft und Hoffnung geben kann.
Der Glaube könnte uns zudem vor einem Sturz in einen Straßengraben schützen. Wer sich für Gerechtigkeit engagiert, der kämpft meist für eine bestimmte Gruppe oder ein bestimmtes Anliegen – etwa für Flüchtlinge, für Geschlechtergerechtigkeit oder Ökologie. Die leidenschaftliche Parteinahme für eine Gruppe kann manchmal zu einer Art Freund-Feind-Denken führen: Wir kämpfen gegen die anderen!
Gottes allumfassende Gerechtigkeit
In Jesus zeigte sich sehr hilfreich: Gott steht auf der Seite der Armen (vgl. Lk 1,46–55). Aber er ist für alle gerecht, nicht nur für die Armen. Denn am jüngsten Tag wird er alle richten. Gläubige wissen deshalb: Auch mich wird er richten! Ein wahrhaft christliches Engagement für Gerechtigkeit wird deshalb von Demut begleitet sein. Wer könnte sagen, dass er keiner Barmherzigkeit bedürfen wird?
Ihr Stefan Hofmann SJ, Innsbruck

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